Die Partnachklamm

Der Ursprung der Partnachklamm

Vergrößern Südlicher Klammeingang

Die Partnachklamm entspringt im Reintalanger und ist der natürliche Abfluss des Schneeferners, dem Rest eines eiszeitlichen Gletschers auf dem Zugspitzplatt. Vom sog. Partnachursprung, westlich unter dem Brunntal im hinteren Reintal, führt sie ihr eisiges Wasser durch das romantische, im Norden von den Abstürzen des Blassenkammes, im Süden von den steilen Wänden des Hochwanners und Teufelgrates begrenzte Reintal, das zu den schönsten Hochtälern der Nördlichen Kalkalpen zählt. Eine besondere Sehenswürdigkeit bildet der Partnachfall. Im sogenannten "Steingerümpel" nimmt die Partnach einen unterirdischen Verlauf.

Vergrößern "Eiserne Brücke" (1914)

Bei der Bockhütte biegt sie in nördlicher Richtung ab, durchströmt die Hinter- und Mitterklamm (beide nicht begehbar) und nimmt anschließend die aus dem Kreuzeckgebiet kommende "Bodenlaine" auf. Bevor sie in die Partnachklamm eintritt, führt ihr von rechts der Ferchenbach die Wasser des Ferchensees und der zahlreichen Bäche vom waldigen Vorland der Wettersteinwand zu. Vor der Eiszeit floss die Partnach im Tal des heutigen Ferchenbaches nach Osten, suchte sich durch den Rüsselgraben und das Kranzbachtal den Weg über Klais nach Krün und mündete dort in die Isar. Die Geologen nehmen an, dass ihr zur Überwindung des Riegels aus Muschelkalk bei Graseck, der ihr damals den Weg ins Loisachtal versperrte, ein kleines Rinnsal zum Abfluss in die jetzige Richtung verhalf. Stufenweise kam ihr der Bach, als er mit dem Tiefbau der heutigen Klamm begann, rückwärts entgegen, bis er auf die Partnach traf. Dieser brach nun durch das vorgearbeitete Bett und schuf in den Gesteinsschichten im Verlauf von Jahrtausenden die heutige Klamm mit Abfluss zur Loisach. Der Name "Partnach" setzt sich übrigens aus zwei Wörtern zusammen, nämlich aus der indogermanischen Beziehung für Durchgang, Pforte: "portn" und dem althochdeutschen "aha" (Ache) für Wasserlauf. Der Ortsteil Partenkirchen, das frühere römische "Partanum" hat seinen Namen nach diesem Flusslauf erhalten.

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Wirtschaftliche Nutzung

Vergrößern Aufnahme um 1900

Als die Waldrodungen der Freisinger Bischöfe (Werdenfels gehörte bis 1802 zum Hochstift Freising) für die privaten Haushalte auch die Nutzung des Brenn- und Bauholzes in den bischöflichen Wäldern im Ferchental, Reintal und Stuibengebiet erlaubten, bekam die Partnachklamm für den Transport dieses Holzes ins Tal größere Bedeutung. Seit etwa gegen Ende des 18. Jahrhunderts kennt man hierzulande das "Triften". Zu diesem Zweck wurden die Baumstämme nach dem Fällen auf eine Länge von einem Meter zersägt und mit dem sog. "Hausmarch" versehen, d.h. man schlug das Erkennungszeichen des jeweiligen Nutzungsberechtigten in den Stamm ein. Das Holz wurde nun in die Partnach und den Ferchenbach geworfen und talwärts geschwemmt. Das Wasserholz, wie man es im Gegensatz zu dem mit den Pferdeschlitten beförderten Bergholz nannte, wurde im Frühjahr getriftet, um die infolge der Schneeschmelze stärkere Wasserführung auszunutzen. In der Mitter- und Hinterklamm im vorderen Reintal, in früheren Zeiten auch in der Partnachklamm, als noch kein Weg hindurch führte, mussten Holzarbeiter auf einer Art Stuhl, der über Kopf gegen Steinschlag gesichert war, in die Klammen abgeseilt werden, wenn sich die Stämme an den Felsen aufgeschoben oder sich ineinander verkeilt hatten. Mit Grieshaken, das waren lange Holzstangen mit einem Eisendorn an der Spitze, versuchten die Arbeiter, das Holz wieder in Fahrt zu bringen. Die Arbeit in den Klammen war lebensgefährlich. Am sog. Holzhof bei der oberen Partnachbrücke (heute steht dort die staatl. Berufsschule) sperrte eine Schleuse den Lauf der Partnach und leitete ihr Wasser in einen etwas unterhalb mit dem Hauptlauf des Flusses sich vereinigenden, an seinem Mittelstück durch einen Rechen abgesperrten Seitenarm, von welchem aus die Hölzer auf eine teilweise unter Wasser stehende Sandfläche geschwemmt wurden. Dort wurden die an Land gezogen, aufgestapelt und von Forstbeamten aufgemessen.

Vergrößern Triften um 1900

Das Triften verlor erst zu Beginn der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts seine Bedeutung, als durch große Forststraßen das Reintal und seine Nebentäler erschlossen wurden. An das Triften und an den ehemaligen Holzlager- oder Triftplatz erinnern heute nur mehr die Bezeichnungen "Triftstraße" und "Am Holzhof". Die Kohlstattstraße erinnert noch an die ebenfalls am Triftplatz vorhanden gewesene "Kohlstätte". Hier stellten Köhler in sog. Meilern Holzkohle her. Schon 1897/98 wollte man die Partnachklamm verkehrstechnisch erschließen. Man schlug eine elektrische Eisenbahnverbindung zwischen Partenkirchen - Partnachklamm - Garmisch - Eibsee vor. Dieses Vorhaben, so reizvoll es für die damalige Zeit im Zuge der Fremdenverkehrsentwicklung geklungen haben mag, scheiterte jedoch aus finanziellen Gründen. Eine wirtschaftliche Nutzung der Partnach und ihrer alpinen Nebenläufe ganz anderer Art wurde übrigens 1949 ernsthaft in Erwägung gezogen. Und zwar wollte man am oberen Eingang zur Partnachklamm einen 110 m hohen Staudamm ziehen, so dass das gesamte vordere Reintal und das Ferchenbachtal ein riesiger Stausee geworden wäre. Ein Kraftwerk war in der Wildenau geplant, um Elektrizität für die bayerische Stromversorgung zu gewinnen. Das Großprojekt scheiterte jedoch an massiven Widerständen.

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Erschließung für den Fremdenverkehr

Vergrößern Mittelteil der Klamm

Die Partnachklamm wurde als Naturdenkmal erst 1912 erschlossen. Wegbereiter für ihre eigentliche Erschließung war das Triften. Im Jahr 1885 brach ein verheerender Windwurf in den Wäldern im Partnach- und Ferchental sowie im Schachengebiet oberhalb des Reintals ein. Damals wurde der Gedanke laut, einen Steig durch die noch nicht zugängliche Partnachklamm anzulegen, um das Triften zu erleichtern. Die notwendigen Arbeiten wurden vom Forstamt veranlasst und zwar ließ man in den steilen Felswänden knapp oberhalb des Flusses Eisenträger anbringen, die mit Holzbohlen belegt wurden. Damit war ein notdürftiger Durchgang gegeben. Das geschah im Jahr 1886. Auf diesem Triftsteig standen die Holzarbeiter und lenkten mit ihren Grieshaken die durch die Klamm treibenden Stämme. Während der Triftsteig hauptsächlich von Jägern, Forstarbeitern benutzt wurde, durchstiegen im Zug des ständig wachsenden Fremdenverkehrs nun auch die waghalsigen Touristen die Partnachklamm. Die hiesige Alpenvereinssektion unter ihrem damaligen Vorsitzenden, Ing. Adolf Zoepritz, der auch die Höllentalklamm schon 1905 erschlossen hatte, ging schließlich im Jahre 1910 an den Ausbau der bis zu achtzig Meter tiefen Schlucht. Nach schwierigsten Bauarbeiten - es mussten teilweise Tunnels gesprengt werden - und unter erheblichen finanziellen Belastungen war die Erschließung der Partnachklamm für den Fremdenverkehr 1912 vollendet. Der Verkehrs- und Sportverein Partenkirchen schlug 1930 dem Markt Garmisch-Partenkirchen vor, die Klamm selbst zu übernehmen und durch zusätzlich Ausbau, der sehenswerten Eisgebilde wegen, auch im Winter begehbar zu machen. Zusätzlich baute man die Wildenauerstraße für die Wanderer und den Fiakerverkehr aus und beschloss die Bergwege, die vom oberen Ausgang der Klamm in die Umgebung führen. Reste der ehemaligen Triftanlage sind noch teilweise zu sehen. Ein bekannter Führer durch die Partnachklamm war der Partenkirchener Bergführer Josef Bergkofer ("Pitzner"), der am Eingang zur Klamm eine kleine Hütte besaß und ängstliche Wanderer sicher durch die tosende Schlucht geleitete. Es wurde sogar eine Straße nach dieser berühmten Sehenswürdigkeit im Ortsteil Garmisch benannt: Die "Klammstraße".

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Felssturz

Vergrößern Felssturz von 1991

Am 01.06.1991 brachen ca. 5.000 m³ Gestein aus einer Felswand am südlichen Ende der Klamm und verklausten die bisherige Wegführung sowie den Wasserverlauf. Glücklicherweise forderte dieser überraschende Felssturz keine Menschenleben. Es entstand ein kleiner, natürlicher Stausee und die Partnach bahnte sich ihren Weg durch die riesigen Felsblöcke. Seit 1992 führt nun ein 108 m langer, in den Fels gesprengter Stollen an den Gesteinsmassen und am Stausee vorbei. Der Stollen wird durch Fenster belichtet, von denen aus man dieses Naturereignis völlig gefahrenlos bestaunen kann.

 

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Die Klamm in Zahlen

Vergrößern Lichtspiele in der Klamm
  • Besucher pro Jahr: ca. 200.000
  • Länge: 699 m
  • Länge der Tunnels: 247 m
  • Höhe der Eisernen Brücke: 68 m
  • Höhendifferenz der Klamm: 80 m
  • Höchste Felswand: 86 m
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